Das Sexualpädagogische Konzept

 


Sexualpädagogisches Konzept    3/18

Liebe Mütter und Väter,


Ihr haltet das „Konzept für Sexualpädagogik und den Umgang mit Körperlichkeit“ unserer Einrichtung in den Händen, welches wir seit 2017 im Team bearbeitet haben.


Alle Mädchen und Jungen sollen auf eine sensible und individuelle Weise in ihrer altersgemäßen körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklung begleitet werden. Hierzu gehört selbstverständlich auch die kindliche Sexualentwicklung. Auch zu den Themen Liebe, Sexualität, Zeugung und Geburt sollen sie altersangemessen informiert werden. Damit wollen wir dem Recht auf Schutz und Entwicklung jedes Kindes Rechnung tragen (siehe dazu auch das Bundeskinderschutzgesetz und die UNO Menschenrechtskonvention). Wir sehen jedes Kind als Individuum, das sich in allen Entwicklungsbereichen in seinem eigenen Tempo entwickelt. Als Einrichtung ist es unsere Aufgabe, dieser Entwicklung Raum zu schaffen.
Bei der Erarbeitung des Konzeptes war es unser Ziel, Kindern durch Wissen über ihren eigenen Körper Selbstbestimmung und eine körperbejahende Haltung zu vermitteln. Mit Unterstützung dieses Konzeptes werden Eure Kinder in unserem Kindergarten auf MitarbeiterInnen treffen, die sie gut informiert, fachlich sicher und kompetent begleiten und auf die kindlichen Fragen zu den Themen Freundschaft, Liebe und Sexualität eingehen.
Bei der Entwicklung des Sexualpädagogischen Konzeptes ist allen Beteiligten bewusst gewesen, dass in Familien ganz unterschiedlich mit dem Thema Sexualität umgegangen wird. Mit dem vorliegenden Konzept möchten wir Euch über die Umsetzung des Themas Sexualpädagogik und über den Umgang mit Körperlichkeit in unserer Einrichtung informieren und Euch einladen, sich mit uns gemeinsam auf den Weg zu machen.

1. Selbstbestimmung und Partizipation (Teilhabe)
Partizipation (Teilhabe) im Zusammenhang mit der Arbeit mit Mädchen und Jungen bedeutet, dass Kinder aktiv in sie betreffenden Entscheidungen einbezogen werden und so ihren Alltag mitgestalten können. Dadurch werden Kinder in ihrer Selbständigkeit und in ihrem Selbstwertgefühl gestärkt und können lernen, sich für oder gegen etwas zu entscheiden und die Entscheidungen anderer zu respektieren.
Dies beginnt schon bei unseren Krippenkindern, die sich aussuchen können, mit wem sie spielen möchten, welche Mitarbeiterin sie wickeln sollen oder wer sie in den Mittagschlaf begleiten soll. Sie lernen, dass ihr Wunsch respektiert wird, wenn sie zum Beispiel äußern, lieber von einer anderen Mitarbeiterin oder einem anderen Mitarbeiter zur Toilette begleitet werden zu wollen. Die Mitbestimmung der Kinder geht bei uns soweit, dass wenn sich ein Kind gar nicht wickeln lassen will, wir dies auch nicht tun. So erfahren Mädchen und Jungen, dass sie mit ihren Wünschen gehört und ernst genommen werden. Auf den folgenden Seiten beziehen wir uns auf das Erziehungsziel der Selbstbestimmung in Bezug auf den eigenen Körper und die eigenen Gefühle der Kinder: Mädchen und Jungen werden darin bestärkt, ihre eigenen Gefühle und die Gefühle anderer wahrzunehmen und sie zu beachten. So haben sie das Recht „Nein“ zu sagen und ihr „Nein“ wird akzeptiert. Dies bezieht sich auch darauf, wenn sie zum Beispiel nicht auf den Schoß oder an die Hand genommen werden, fotografiert oder berührt werden möchten.

2. Nähe und Distanz
Wir respektieren die Wünsche Eures Kindes in Bezug auf Nähe und Distanz, wie zum Beispiel beim Wickeln, Trösten oder Kuscheln.
Mädchen und Jungen suchen sich dabei die eigene Bindungsperson unter unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus, der sie sich anvertrauen und bei der sie Nähe suchen.
Uns ist wichtig, dass jedes Kind das Maß an Nähe bekommt, das es benötigt, um sich sicher und beschüzzt zu fühlen. Dafür achten wir auf die Signale des Kindes und orientieren uns an seinen Bedürfnissen. Wir achten auf individuelle Äußerungen des Kindes, z.B. in Bezug auf Berührungen, und reagieren angemessen.
Auch wir als Erwachsene achten auf unsere eigenen Grenzen und geben dies den Kindern kund. So lernen die Kinder nach und nach, dass sie selbst, wie auch ihre Erzieherinnen und Erzieher, für sich entscheiden können, wie viel körperliche Nähe sie zulassen möchten. Zudem lernen sie durch die Vorbildfunktion der Erzieherin bzw. des Erziehers, sich selbstbestimmt zu verhalten und „Nein“ zu unerwünschtem Verhalten, wie ungewollten Berührungen, zu sagen.

3. Mädchen - Junge
Für die Entwicklung eines Kindes ist es wichtig, sich in vielen verschiedenen Bereichen auszuprobieren - unabhängig davon, ob es ein Mädchen oder ein Junge ist.
Diese gesellschaftliche Entwicklung findet sich in vielen Aspekten des alltäglichen Angebotes in unserer Einrichtung wieder. So erhalten Kinder Anregungen und Impulse, die von den Interessen der Kinder ausgehen, egal welchem Geschlecht sie angehören. So sollen die Kinder angeregt werden, Tätigkeiten und Verhaltensweisen zu erproben und entwickeln, die nicht den typischen Rollenzuschreibungen entsprechen.
Alle Gefühlsäußerungen sind willkommen und wertgeschätzt unabhängig von gesellschaftlichen Erwartungen an das Verhalten von Mädchen und Jungen. Wir wollen den Kindern ein Vorbild sein, indem wir die vom Geschlecht unabhängigen Stärken der Kinder fördern und mit Rollenklischees aufmerksam umgehen. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass wir auch mit unserem Handeln wichtige Rollenmodelle für die Kinder sind. Wir achten darauf, alle Aufgaben gleichermaßen zu übernehmen und Tätigkeiten nicht geschlechtsspezifisch, sondern nach Interessen und Stärken zu unterscheiden.

4. Wickeln und Entwöhnung
Es gehört zu den Aufgaben der Erzieherinnen und Erziehern, Kinderpflegerinnen und Kinderpflegern sowie Berufspraktikantinnen und Berufspraktikanten, das Wickeln der Kinder zu übernehmen. Wir möchten betonen, dass selbstverständlich auch unsere männlichen Mitarbeiter diese Aufgabe mit übernehmen.
Praktikantinnen und Praktikanten, die nur wenige Wochen oder kürzer in unserer Einrichtung  sind, wickeln nicht!
Während der Eingewöhnungszeit begleiten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Euch beim Wickeln Eures Kindes. Es ist das Ziel, in dieser Zeit das Vertrauen aufzubauen, so dass es sich bald auch gerne von uns wickeln lässt. Außerdem könnt Ihr auf Besonderheiten und Rituale beim Wickeln Eures Kindes hinweisen. Wenn das Kind sein Einverständnis signalisiert, übernehmen wir als pädagogischen Fachkräfte zunächst mit Eurer Begleitung das Wickeln, bis wir das Kind schließlich alleine versorgen.
Die Wickelsituation ist nicht nur eine reine Pflege- sondern auch eine soziale Situation, die die Mädchen und Jungen oft genießen. Andere Kinder dürfen die Wickelsituation begleiten, wenn Euer Kind sowie die begleitenden Kinder dies wünschen.
Die Kinder im Kindergarten Papillon werden nach Bedarf und nicht nach Zeitplan gewickelt.
Die Entwöhnung von der Windel ist eine große Aufgabe für alle und wird sehr individuell  bewältigt wird.
Unsere Einrichtung begleitet die Entwöhnung Eurer Kinder von der Windel gelassen und beugen Leistungsdruck vor. Wir wissen, dass es dazu gehört, dass die Mädchen und Jungen hin und wieder in die Hose machen und gehen selbstverständlich damit um. Auch wird darauf geachtet, dass die Kinder in dieser Situation an einem Ort umgezogen werden, der ihre Privatsphäre und vor ungewollten Blicken schützt.  Bitte achtet  darauf, dass immer genug Wechselwäsche für Euer Kind vorhanden ist.

5. KindlicheSexualentwicklung
Mädchen und Jungen nehmen angenehme Gefühle mit allen Sinnen wahr und reagieren spontan, neugierig und unbefangen auf alles, was sie im Zusammenhang mit Körperlichkeit erleben.
Die Regeln, nach denen Erwachsene Handlungen bewerten - also entscheiden, was „erlaubt“ ist und was nicht -, erlernen die Kinder in den ersten Lebensjahren dadurch, dass Erwachsene ihnen diese vorleben oder dadurch, dass ihnen bestimmte Handlungen erlaubt oder verboten werden. Die kindliche Sexualität unterscheidet sich jedoch grundlegend von der Sexualität Erwachsener.
In einer Zeit, in der oft schon Kindergartenkinder im Fernsehen, in Zeitschriften und auf Plakaten mit der Sexualität Erwachsener konfrontiert werden, ist es uns umso wichtiger, dass Elternhaus und Kindergarten im engen Dialog den Mädchen und Jungen die Möglichkeit bieten, eine eigene Haltung zur Sexualität zu entwickeln. Was bedeutet das konkret für uns als Einrichtung?
Über den eigenen Körper sprechen:
Genauso selbstverständlich wie Kleinkinder ihre Hände und Füße betrachten und begreifen, erkunden sie auch ihre Geschlechtsteile und so selbstverständlich wie Eltern z. B. beim Wickeln und Waschen des Kindes Arme, Beine, oder Bauch benennen, sollten sie auch die Geschlechtsteile benennen. So lernen die Mädchen und Jungen mit der Sprachentwicklung die Benennung aller Körperteile, was für den Aufbau eines positiven Körpergefühls ein wichtiger Schritt ist. Wir als Fachkräfte setzen dies bei unserer Arbeit fort und achten darauf, eine angemessene Bezeichnungen bei der Benennung der Geschlechtsteile zu verwenden.
Dazu gehört auch, dass Fragen von Kindern ernsthaft beantwortet werden. Kinder möchten wissen, wie ein Baby in den Bauch kommt - manche Kinder denken, es hat jemand hineingelegt und dann sind die Fragen, wer das gewesen ist und vor allem, wie es wieder herauskommt, für die Mädchen und Jungen von Interesse. Die Kinder erhalten auf ihre Fragen Antworten in kindgerechter Sprache, die entsprechend ihrem Entwicklungsstand formuliert und erklärt werden.

 

Kennenlernen des eigenen Körpers:
Für eine positive Einstellung zum eigenen Körper ist es förderlich,  Erkundungen zuzulassen. In jedem Fall achten wir darauf, dass dies in einem geschützten Rahmen und nicht öffentlich geschieht.
Zur kindlichen Sexualentwicklung gehört die Neugier auf alles, was mit dem eigenen Körper und dessen Funktionen zusammenhängt. Deutlich tritt dieses Interesse bei dem Thema Selbstberührungen und bei Körpererkundungsspielen zu Tage. Es gehört zur kindlichen Sexualentwicklung, dass manche Kinder ihrer Neugier durch Berührungen im Genitalbereich Ausdruck verleihen. Manche Kinder tun dies, andere nicht.
Genauso wichtig wie das Thema Selbsterkundung ist die Auseinandersetzung mit den so genannten Körpererkundungsspielen. Hier stillen Kinder ihre Neugierde und ihr Interesse in Bezug auf ihren eigenen Körper und den anderer Kinder. Sie schauen sich gegenseitig unbekleidet an und vergleichen ihren Körper mit dem anderer Kinder. Manchmal spielen nur zwei Kinder, manchmal mehrere miteinander.
Körpererkundungsspiele werden in unserer Einrichtung zugelassen, sofern feststehende Regeln beachtet werden, wie z. B. die Aufsichtspflicht sowie ein geschützter Rahmen. Die Kinder wissen, dass sie „Doktor spielen“ dürfen und dass dabei fest stehende Regeln gelten. So darf niemand einem anderen Kind oder sich selbst einen Gegenstand in den Mund, die Nase oder das Ohr, den Po, die Scheide oder den Penis stecken. Außerdem gilt bei uns die Freiwilligkeitsregel. Jedes Mädchen und jeder Junge bestimmt selbst, ob und mit wem sie oder er Körpererkundungen machen möchte und beenden das Spiel freiwillig. Die Fachkräfte achten darauf dass keine körperlichen oder sozialen Machtgefälle entstehen, kennen die Grenzen für diese Erkundungsspiele, vermitteln diese den Kindern und achten immer auf deren Einhaltung.

Als Mütter und Väter sind und bleibt Ihr die Experten für Euer Kind. Für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sind die Entwicklungsgespräche, in denen Ihr Euch mit der Bezugserzieherin  auch über die sexuelle Entwicklung Eures Kindes austauschen könnt, sehr wichtig. Sollten Ihr zwischendurch Fragen zu diesem Thema oder zum Umgang damit haben, zögert bitte nicht, uns anzusprechen!

Unser Ziel, die Kinder zu gesunden, selbstbewussten und selbstbestimmten Mädchen und Jungen zu erziehen, können wir nur gemeinsam erreichen, indem wir dazu beitragen, den Kindern eine Stärkung des Körpergefühls zu vermitteln, sie gut zu informieren und somit möglicher Kindeswohlgefährdung vorzubeugen.
Das Thema Sexualpädagogik findet sich im Kindergarten Papillon durch vielfältiges Material, wie z. B. Bilderbücher und Puppen mit anatomisch genauen Geschlechtsmerkmalen wieder. Durch vielfältige weitere Angebote, wie Projekte in Mädchen- und Jungengruppen oder Spiele zur Körperwahrnehmung, z. B. mit Sand, Rasierschaum oder Wasser, wird der Bildungsbereich Körper und Sinne weiter ausgestaltet. In ihrer Kindergartenzeit sollen alle Mädchen und Jungen die Bezeichnungen und die Funktionen der Körperteile des menschlichen Körpers kennenlernen. Dazu gehört auch, dass Kinder die Bezeichnungen für die Geschlechtsorgane kennen und benutzen können und Antworten auf ihre Fragen bezüglich Liebe, Sexualität, Zeugung und Geburt erhalten. Dabei wird es nicht alleine den Kindern überlassen, wann das Thema Sexualpädagogik aktuell wird: Durch gezielt bereit gestellte Bücher und durch Spielmaterial sowie Angebote der Mitarbeiterinnen und

Mitarbeiter an die Mädchen und Jungen werden diese zur bewussten Auseinandersetzung mit diesem Themenbereich angeregt. Die Kinder erleben, dass alle Lebens- und Familienformen in der Einrichtung gleichermaßen wertgeschätzt werden.